Warum Altbauten besondere Sorgfalt brauchen
Ein grosser Teil des Zürcher Wohnbestands stammt aus der Gründer- und Vorkriegszeit – mit Stuckdecken, Zierleisten, hohen Räumen und gewachsenen Schichten alter Anstriche. Wer hier einfach überstreicht, riskiert, dass die neue Farbe nicht hält oder dass feine Details verloren gehen.
Der Unterschied zum Neubau liegt vor allem im Untergrund und in den Details. Alte Putze sind oft mineralisch und müssen atmen können; jahrzehntealte Anstriche können kreiden oder aus Leimfarbe bestehen. Eine ehrliche Untergrundanalyse vor dem ersten Pinselstrich ist deshalb im Altbau Pflicht.
Untergründe im Altbau: Kalk, Leimfarbe und alte Anstriche
Der häufigste Stolperstein sind alte Leimfarben. Sie lösen sich bei Feuchtigkeit an und tragen keine neue Beschichtung – wird darüber gestrichen, blättert alles wieder ab. Leimfarbe erkennt man oft daran, dass sie sich mit einem feuchten Schwamm anlösen lässt. Sie muss vor dem Neuanstrich gründlich entfernt werden.
Kreidende Altanstriche (weisser Abrieb an der Hand) müssen gereinigt und gefestigt werden. Auf mineralischen Putzen sind diffusionsoffene Systeme – etwa Silikat- oder Mineralfarben – meist die bessere Wahl, weil die Wand weiter atmen kann und Feuchtigkeit nicht eingeschlossen wird.
Vor dem Anstrich prüfen wir deshalb Haftung, Saugfähigkeit und Art des Altanstrichs. Erst wenn der Untergrund tragfähig, sauber und richtig grundiert ist, beginnt der eigentliche Anstrich.
Stuck, Zierleisten und Deckenrosetten
Stuckdecken und Zierprofile sind das Herzstück vieler Zürcher Altbauten – und der Punkt, an dem sich saubere Arbeit zeigt. Über die Jahre verlieren dick überstrichene Profile ihre Schärfe; Konturen verschwinden unter zu vielen Farbschichten.
Fachgerecht heisst hier: Profile nicht einfach zukleistern, sondern lose Schichten entfernen, Kanten sauber abziehen und mit Augenmass arbeiten, damit die Plastizität erhalten bleibt. Bei wertvollem Stuck lohnt sich besondere Vorsicht – im Zweifel beraten wir, was sinnvoll und was zu viel des Guten ist.
Risse und Setzungen – typisch für Altbau
Altbauten arbeiten. Feine Haarrisse im Putz lassen sich mit geeigneten, rissüberbrückenden Beschichtungen zuverlässig in den Griff bekommen. Grössere oder wiederkehrende Risse, die von Bewegungen im Mauerwerk stammen, brauchen eine Armierung mit Gewebeeinlage – sonst zeichnen sie sich nach kurzer Zeit wieder ab.
Wichtig ist, zwischen harmlosen Oberflächenrissen und konstruktiven Rissen zu unterscheiden. Diese Einschätzung gehört in die Besichtigung und entscheidet darüber, ob es beim Anstrich bleibt oder ob vorgängig saniert werden muss.
Hohe Decken, Logistik und bewohntes Streichen
Hohe Räume bedeuten mehr Fläche, mehr Material und oft Gerüst oder Rollgerüst statt Leiter. Das beeinflusst Aufwand und Zeitplan. In bewohnten Altbauwohnungen arbeiten wir raumweise, schützen Parkett und Einrichtung sorgfältig und halten Staub und Geruch mit emissionsarmen Farben gering.
Auch der Zugang ist im Zürcher Altbau ein Thema: enge Treppenhäuser, kein Lift, Parksituation in der Stadt. Solche Punkte klären wir vorab, damit der Ablauf reibungslos läuft.
Farben und Atmosphäre im Altbau
Altbauten vertragen sowohl klassische, ruhige Töne als auch mutige Akzente – entscheidend ist, dass Farbe und Material zur Architektur passen. Matte, mineralische Oberflächen wirken in alten Räumen oft stimmiger als hochglänzende. Helle Decken betonen die Höhe, ein dezent abgesetzter Stuck bringt Tiefe.
Wer unsicher ist, kombiniert die Ausführung mit einer Farbberatung: So stimmen Farbton, Glanzgrad und Charakter des Altbaus zusammen – und das Ergebnis wirkt aus einem Guss.